Kirmes in THÜRINGENS SÜDEN®:
Zwischen Tradition und modernem Volksfest
(@Sebastian Köhler | Stadtverwaltung Arnstadt)
Kirmes gehört hier einfach dazu: Dorfrand wird Festplatz, Musik füllt die Straßen und von irgendwoher weht der Duft nach Bratwurst und Zuckerwatte. In THÜRINGENS SÜDEN® ist Kirmes gelebtes Miteinander – mal zünftig, mal modern, aber immer nah dran an den Menschen.
Was ist die Kirmes und woher kommt sie?
Die Kirmes geht auf die Kirchweihe zurück: den Jahrestag der Einweihung einer Kirche. Aus dem ursprünglich kirchlichen Anlass entwickelte sich vielerorts ein Volksfest mit starkem Gemeinschaftscharakter. Typische Elemente sind eine Kirmesgesellschaft (Kirmesmädchen und -burschen), das feierliche Aufstellen eines geschmückten Kirmesbaums, Tanzabende und ein mehrtägiges Festprogramm – oft rund um ein Wochenende, traditionell besonders im Herbst nach der Ernte.

(@ Kirmesverein Wallrabs e.V.)
Welche Bräuche und Traditionen gibt es?
Bräuche und Traditionen sind das Herz der Kirmes in THÜRINGENS SÜDEN®: Kirmesruf, geschmückter Baum, Umzug mit Ständchen, Tanzabende und die Kirmespredigt machen aus der Kirchweihe ein lebendiges Dorffest. Hier findest du einen Überblick über die wichtigsten Traditionen.
Kirmesgesellschaft
In vielen Orten von THÜRINGENS SÜDEN® lebt die Kirmes von ihrer Kirmesgesellschaft: Kirmesmädchen und -burschen planen das Fest, führen in Tracht durch die Tage und prägen Umzug, Tanzabende und Haus-an-Haus-Ständchen. In manchen Orten dauert das Ständchensingen tatsächlich mehrere Tage, je nach dem wie viele Häuser es abzugrasen gibt.
Kirmespredigt
Die Kirmespredigt ist die humorvolle „Ansprache“ der Kirmes: Ein Mitglied der Kirmesgesellschaft – oft Kirmespfarrer oder -prediger genannt – fasst in witziger, manchmal gereimter Form das Dorfjahr zusammen. Dabei werden kleine Pannen, Vereinsleben und Lokalpolitik auf die Schippe genommen, meist im Dialekt und mit Requisiten (Predigtbuch, Talar, Hut). Ziel ist dabei nicht Spott, sondern Gemeinschaft: Man lacht miteinander, räumt alte Sticheleien aus und feiert das Miteinander im Ort.
Kirmesbaum
Ein sichtbares Symbol ist der Kirmesbaum. Ähnlich dem Maibaum wird er festlich geschmückt und gemeinsam aufgerichtet – oft der Moment, an dem das Dorf zusammenkommt und die Kirmes „offiziell“ beginnt.
Umzug & Ständchen
Zum Kirmes-Ablauf gehören Umzug und Ständchen: Die Kirmesgesellschaft zieht mit Kapelle durchs Dorf, bringt vor den Häusern musikalische Grüße und trinkt auf das Wohl der Gastgeber. Dieses „Ständchenbringen“ ist in THÜRINGENS SÜDEN® weit verbreitet und älter als so mancher moderner Programmpunkt.
Hahnenschlag & Hammeljagd
Unter den alten Bräuchen ragen zwei hervor: Hahnenschlag und Hammeljagd. Beim Hahnenschlag tanzten früher die Kirmesmädchen mit verbundenen Augen um einen Topf, unter dem sich ein Hahn versteckte. Diejenige, die mit dem Löffel den Topf als erstes traf, hat den Hahn gewonnen.
Bei der Hammeljagd wurde um den Titel des Hammelkönigs gekämpft. Dazu wurde ein Hammel (eine Art männliches Schaf) unter die Menschen gelassen und der Kirmesbursche, welchem es gelang ihn einzufangen, durfte in behalten.
Heute wurden diese Bräuche aus Tierschutzgründen etwas angepasst. Zum Beispiel ersetzt ein Keramikhahn den echten und für den die Burschen rollen Plastikfässer durch einen Parcour anstatt einen Hammel zu jagen.
Kirchweih, Gemeinschaft, Tradition– so feiert THÜRINGENS SÜDEN® Kirmes
Der genaue Ablauf und das Ausmaß des Kirmes-Festes unterscheiden sich von Ort zu Ort, folgen aber meist einem ähnlichen Takt: Nach dem Antrinken oder dem offiziellen Kirmesruf schmückt die Kirmesgesellschaft den Baum und richtet ihn feierlich auf. Es folgt der Umzug durchs Dorf mit Ständchen vor ausgewählten Häusern (Familien die dies nicht möchten, müssen nicht) – oft in Tracht, begleitet von Kapelle oder Blasmusik. Abends stehen Tanz im Zelt oder Saal und gesellige Runden auf dem Programm; je nach Ort ergänzen Familiennachmittage, Spiele oder kleine Wettbewerbe den Ablauf. Am Sonntag bilden Gottesdienst oder Andacht sowie Frühschoppen den Abschluss. Häufig hält ein „Kirmespfarrer“ eine Kirmespredigt, die das Dorfjahr humorvoll zusammenfasst. Viele Details – etwa Reihenfolge, Liedgut oder Rollen – sind in örtlichen Kirmesordnungen festgelegt und werden von der Kirmesgesellschaft organisiert.

(@ Kirmesverein Wallrabs e.V.)
Bedeutung der Kirmes in THÜRINGENS SÜDEN®
In THÜRINGENS SÜDEN® ist Kirmes gelebtes Miteinander: Vereine, Jugendgruppen und ganze Nachbarschaften planen monatelang, finanzieren Zelte und Musik, bewahren Trachten und Dialekt – und holen Jung und Alt an einen Tisch. Das stärkt lokale Identität, Ehrenamt und Kulturpflege. Die zentrale Rolle der Kirmesgesellschaft als Organisatorin ist landesweit belegt und im Süden Thüringens besonders präsent. Medienberichte zeigen zudem, wie Kirmessen als „Besuchermagnet“ ganze Orte in Bewegung setzen.
Die wichtigsten und größten Kirmesfeste in THÜRINGENS SÜDEN®
Natürlich ist jedes einzelne Kirmesfest so wichtig wie das andere. Diese Auswahl soll lediglich einen kurzen Überblick über die größten und bekanntesten Feste verschaffen.
Heinrichser Kirmes (Suhl-Heinrichs)
Die Heinrichser Kirmes zählt zu den prägenden Kirchweihen in THÜRINGENS SÜDEN®. Getragen von der Heinrichser Burschenschaft e. V. und eröffnet mit dem traditionellen Ruf „3, 4 Kermes!“, verbindet sie Brauchtum und Geselligkeit: feierliches Baumaufstellen, Umzug mit Ständchen, Musik- und Tanzabende im Zelt sowie meist ein Abschluss mit Gottesdienst/Andacht und Frühschoppen. Jedes Jahr wird das Viertel so zum Treffpunkt für Nachbarn, Heimkehrer und Gäste – ein Wochenende, an dem Heinrichs sichtbar zusammenrückt.
Milzer Trachtenkirmes
Die Milzer Trachtenkirmes zählt zu den prägenden Kirchweihen in THÜRINGENS SÜDEN®. Getragen von der Kirmesgesellschaft Milz gemeinsam mit dem Milzer Störch e. V., verbindet sie gelebtes Brauchtum mit viel Dorfgemeinschaft: Erst wenn der Kirmesbaum steht, ist „wirklich Kirmes“ – eingeläutet vom Dorffunk, gefolgt von Antrinken, Trachten-Umzug mit Kapellen sowie Musik- und Tanzabenden. Am Sonntag gehören Frühschoppen und die Planaufführung der Kinderkirmes dazu.
Kirmes Dreißiggacker (Stadt Meiningen)
Die Kirmes in Dreißigacker wird traditionell im August gefeiert. Die Kirmesgesellschaft Dreißigacker organisiert das Fest mit einem abwechslungsreichen Programm: Antrinken, Kirmesgottesdienst, Ständchen im Ort und Tanz im Festzelt. Höhepunkte sind das Wellfleisch-Antrinken, der Gottesdienst mit Umzug und Frühschoppen am Sonntag. Musikalische Unterhaltung sorgt für Geselligkeit und Gemeinschaft. Ein Wochenende, das Brauchtum und Dorfgemeinschaft lebendig hält.
Mehlser Kärmes & Benshausen
Zella-Mehlis feiert gleich zwei Kirmessen: die Mehliser Kärmes im Ortsteil Mehlis und die Kirmes in Benshausen. Beide Feste verbinden Kirchweih-Brauchtum mit Dorfgemeinschaft: Baumaufstellen, Umzug mit Ständchen, Musik- und Tanzabende sowie Angebote für Familien gehören meist dazu. In Mehlis organisiert die Mehliser Kärmesgesellschaft e. V. ein mehrtägiges Programm mit Fackelumzug, Partyband und Kinderkärmes. In Benshausen richtet die Kirmesgesellschaft Benshausen e. V. das Fest aus. Auch hier prägen Umzug, Abende im Zelt oder in der Halle und ein geselliges Frühschoppen das Wochenende. Die genauen Termine und Programmpunkte ändern sich jedes Jahr, aktuelle Infos veröffentlicht die Stadt Zella-Mehlis aber zusammen mit den Kirmesvereinen auf ihren Seiten und Social-Media-Kanälen.
Kirmeskalender THÜRINGENS SÜDEN® 2025
Hier findest du einen Überblick über die zentralen Kirmessen in THÜRINGENS SÜDEN® 2025:
| Wann? | Wo? |
| 21.–24.08. | Kirmes Dreißigacker (Meiningen) |
| 28.–31.08. | Wallrabser Trachtenkirmes |
| 29.–31.08. | Mehlser Kärmes (Zella-Mehlis) |
| 04.–08.09. | Kirmes Herges-Hallenberg |
| 05.–07.09. | Kermes Wichtshausen |
| 04.–07.09. | Kirmes Asbach (Schmalkalden) |
| 12.–15.09. | Kirmes Steinbach-Hallenberg |
| 18.–21.09. | Heinrichser Kirmes (Suhl-Heinrichs) |
| 02.–05.10. | Theresienfest Hildburghausen |
| 16.–19.10. | Kirmes Reurieth |
| 17.–19.10. | Milzer Trachtenkirmes (Hauptkirmes) |
| 25.–26.10. | Milzer Trachtenkirmes (Nachkirmes) |
| 31.10.–02.11. | Burschenkirmes Einhausen |
Kirmesvereine: Das Herzstück der Feste
Kirmesvereine organisieren Programm, pflegen Bräuche und binden Jugendliche früh ein – vom Binden der Girlanden bis zur Moderation auf der Bühne. Damit sorgen sie nicht nur für stimmungsvolle Festtage, sondern auch dafür, dass das kulturelle Erbe lebendig bleibt.
Viele Vereine haben eine lange Tradition, manche sogar mit über 100-jähriger Geschichte. Beispiele aus der Region zeigen, wie vielfältig und engagiert die Vereine arbeiten:
- Kirmesverein Asbach in Schmalkalden
- Kirmesverein Niederschmalkalden
- Jugend- & Kirmesverein Stepfershausen
- Kirmesgesellschaft Dreißigacker
- Kirmesverein Wallrabs
Sie halten die Kirmes lebendig, sichern Nachwuchs und tragen viel Verantwortung für Sicherheit und Ablauf. Durch die enge Einbindung der Jugend entsteht eine besondere Gemeinschaft: Wer einmal als Kirmesbursche oder -mädchen mitgemacht hat, fühlt sich der Heimat und dem Verein oft ein Leben lang verbunden. So bleibt die Kirmes in THÜRINGENS SÜDEN® nicht nur ein Fest für ein Wochenende, sondern ein Stück gelebte Kultur, getragen von den Menschen vor Ort.

(@ Kirmesverein Wallrabs e.V.)
Kirmes erleben: Ein Stück THÜRINGENS SÜDEN® zum Mitfeiern
Kirmes in THÜRINGENS SÜDEN® ist Tradition zum Mitmachen: lebendige Vereinskultur, starke Stadt- und Dorfidentität und ein Kalender voller Höhepunkte. Wer einmal dabei war, kommt wieder – ob zum Familiennachmittag, zur Party im Zelt oder zum Frühschoppen am Sonntag.